Corona stellte die Lehre auf den Kopf

Ihre Ausbildung im Gesundheitswesen hat sich Lorena Pappalardo weniger turbulent vorgestellt. Vor allem ihr zweites Lehrjahr bei der Spitex Höfe wurde stark von der Covid-19-Pandemie geprägt.

Eine Berufslehre als Fachfrau Gesundheit (FaGe) ist herausfordernd – in Zeiten von Corona erst recht. Davon wusste Lorena Pappalardo noch nichts, als sie im Sommer 2018 die dreijährige Ausbildung bei der Spitex Höfe in Angriff nahm. Die junge Frau arbeitete sich rasch ein und fühlte sich nach kurzer Zeit gut ins Team integriert. Sie mochte die Abwechslung von Berufsschule und Einsätzen bei den Klient*innen. Alles lief wie am Schnürchen – bis das Coronavirus Anfang 2020 allmählich ins Bewusstsein der angehenden Gesundheitsfachfrau drang. Als der Bundesrat im März 2020 die ausserordentliche Lage ausrief, verschwand Pappalardos Sorglosigkeit jäh. «Ich befürchtete, dass die Covid-19-Pandemie meine Ausbildung gefährden oder gar meinen Abschluss verunmöglichen könnte», sagt sie mit Blick zurück. «Dabei hatte ich mir doch so fest vorgenommen, an den praktischen und schriftlichen Prüfungen gut abzuschneiden. Für meinen Einsatz wollte ich auf jeden Fall mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis belohnt werden.» Stand das nun alles auf der Kippe?

Mehr als eine Extrameile

Viele Lehrbetriebe fanden kreative Lösungen, um ihre Lernenden in der aktuellen Krise weiterhin auszubilden und zu unterstützen. Auch von Michèle Staub, Ausbildungsverantwortliche bei der Spitex Höfe, war viel Improvisationsgeschick und Flexibilität gefordert. «Die Pandemie warf unter den Lernenden und Berufsbildnerinnen vor allem anfangs viele Fragen auf», sagt sie. Insbesondere während des Lockdowns waren interne Schulungen, Studiennachmittage mit anderen Ausbildungsbetrieben oder überbetriebliche Kurse nicht mehr möglich. Dann musste Staub die Lernenden spontan in der Praxis einsetzen oder kurzerhand für interne Schulungen sorgen. Zudem war es ihr ein grosses Anliegen, die emotionale Befindlichkeit der Lernenden regelmässig zu überprüfen. «Es wäre möglich gewesen, dass sie Angst vor der direkten Pflege der Klientinnen und Klienten hatten. Das war aber bei niemandem der Fall.» Aktuell ist sie darum bemüht, die Wissensdefizite der Lernenden als Folge des Fernunterrichts auszugleichen und alternative Gefässe für den so wichtigen Gedanken- und Erfahrungsaustausch zu finden. «Letzteres ist wichtig, da die Pflege gerade für junge Menschen physisch und psychisch anspruchsvoll ist», so Staub.

Solidarität macht Mut

Pappalardos Sorgen sind in der Zwischenzeit verschwunden. Die Pfäffikerin ist zuversichtlich, ihre Lehrabschlussprüfung regulär absolvieren und einen vollwertigen Berufsabschluss erlangen zu können. Ins Krisenmanagement der Spitex Höfe hatte sie dank des strikten Hygienekonzepts von Anfang an Vertrauen. Am gewöhnungsbedürftigsten war für Pappalardo im Rückblick vor allem die Umstellung auf Homeschooling gewesen. Umso mehr geniesst sie es, wieder Präsenzunterricht zu haben. «Es ist schön, dass wir Lernenden uns jetzt wieder regelmässig sehen. Wir merken, dass es uns allen gleich geht, und das motiviert uns, durchzuhalten und gemeinsam zu lernen.»

Wunsch nach mehr Anerkennung

Mittlerweile kann die 20-Jährige den Ereignissen der letzten Monate sogar Positives abgewinnen. «Als Team haben wir gelernt, wie wir eine Pandemie innerhalb unseres Betriebs meistern können. Das ist ein gutes Gefühl. Ausserdem habe ich realisiert, dass ich als Fachfrau Gesundheit in einer Krise viel bewirken kann. Dadurch habe ich sogar noch mehr Freude an meiner Ausbildung bekommen.»

Nach ihrem Abschluss im Sommer möchte Pappalardo ein Jahr lang Berufserfahrung sammeln und ihre Kompetenzen vertiefen, um danach die Ausbildung als Pflegefachfrau HF in Angriff zu nehmen. Zurück